Alle 48 Teams der WM 2026: Profile, Kader & Einschätzungen

48 Mannschaften, 6 Kontinente, 1 Pokal. Die WM 2026 bringt so viele Teams zusammen wie nie zuvor — und darunter sind Namen, die man auf der grössten Bühne des Fussballs nicht alle Tage sieht. Haiti spielt seine erste WM, Curaçao seine erste, Kap Verde seine erste. Gleichzeitig stehen die üblichen Verdächtigen bereit: Argentinien als Titelverteidiger, Frankreich als ewiger Mitfavorit, Brasilien als fünffacher Weltmeister. Ich habe jedes dieser 48 Teams analysiert, von den Kaderlisten über die taktischen Systeme bis zu den Stärken und Schwächen in der Qualifikation.
In diesem Überblick ordne ich die WM 2026 Teams nach Kategorien: Topfavoriten, DACH-Teams, Geheimtipps, Gastgeber, Debütanten und schliesslich die komplette Übersichtstabelle aller 48 Teilnehmer. Mein Ziel ist keine Fan-Perspektive, sondern eine analytische Bestandsaufnahme — mit Daten, wo Daten helfen, und mit Einschätzungen, wo die Zahlen nicht alles erzählen. Dieses Profil jeder Mannschaft ist darauf ausgelegt, Ihnen eine schnelle Einordnung zu ermöglichen, ohne dass Sie sich durch 48 Einzelartikel arbeiten müssen.
Kurz zusammengefasst: Argentinien und Frankreich führen die Favoritenliste an, gefolgt von Spanien, England und Brasilien. Die Schweiz hat in Gruppe B realistische Chancen auf den Gruppensieg. Österreich steht in Gruppe J vor der Herausforderung Argentinien, hat aber gute Chancen auf Platz zwei. Deutschland bekommt in Gruppe E die vermutlich leichteste Aufgabe des Turniers. Und die grössten Überraschungen könnten aus Afrika kommen — Marokko und Côte d’Ivoire bringen enormes Potenzial mit. Das Teilnehmerfeld zählt 16 europäische, 10 afrikanische, 9 asiatische, 6 CONCACAF-, 6 südamerikanische Teams und 1 Vertreter Ozeaniens — eine Verteilung, die den globalen Charakter des Fussballs so umfassend abbildet wie noch kein Turnier zuvor.
Ladevorgang...
Die Top-Favoriten — Wer holt den Titel?
In einer Sportbar in Schaan fragte mich letzte Woche jemand: „Wer wird Weltmeister?“ Ich habe geantwortet: „Wenn ich das sicher wüsste, würde ich nicht in einer Bar sitzen.“ Aber nach neun Jahren Analyse habe ich zumindest eine fundierte Meinung. Hier sind die sechs Teams, die ich für die ernsthaftesten Titelanwärter halte.
Argentinien
Der Titelverteidiger geht als Topfavorit in die WM 2026. Argentinien hat unter Trainer Lionel Scaloni seit 2021 die Copa América, die Finalissima und die WM 2022 gewonnen — eine Serie, die in der modernen Fussballgeschichte ihresgleichen sucht. Der Kader vereint die Erfahrung von Lionel Messi, der mit 38 Jahren vermutlich seine letzte WM spielt, mit der Dynamik jüngerer Spieler wie Julián Álvarez und Enzo Fernández. In Gruppe J trifft Argentinien auf Algerien, Österreich und Jordanien — eine lösbare Aufgabe, auch wenn Österreich eine ernsthafte Hürde darstellt. Die Frage ist nicht, ob Argentinien die Gruppenphase übersteht, sondern in welcher Form das Team in die K.o.-Runde geht. Scalonis System baut auf einer kompakten Viererkette, einem balancierten Mittelfeld mit Rodrigo De Paul und Enzo Fernández als Achse, und der Kreativität von Messi in der letzten Linie auf. Die Abhängigkeit von Messi bleibt das grösste Fragezeichen: Kann ein 38-Jähriger sieben Spiele in 30 Tagen bei nordamerikanischen Temperaturen durchhalten? Scaloni wird dosieren müssen — und genau darin liegt Argentiniens Kadertiefe als Trumpf.
Frankreich
Frankreich ist die Mannschaft mit der grössten Kadertiefe der WM 2026. Ob Mbappé, Tchouaméni, Camavinga, Saliba oder Thuram — auf jeder Position stehen zwei oder drei Weltklassespieler bereit. Die Équipe Tricolore hat bei den letzten drei grossen Turnieren jeweils mindestens das Finale oder Halbfinale erreicht: Weltmeister 2018, Finalist 2022, Halbfinalist bei der EM 2024. In Gruppe I mit Senegal, Irak und Norwegen dürfte der Gruppensieg Formsache sein. Frankreichs grösste Stärke ist die Fähigkeit, auch ohne Glanzleistung Spiele zu gewinnen — ein Merkmal, das bei Turnieren Titel bringt.
Brasilien
Die Seleção durchlebt eine Phase des Umbruchs, die man seit der Generation von 2006 nicht mehr erlebt hat. Neymar ist nicht mehr der unbestrittene Star, und die taktische Identität unter Trainer Dorival Júnior ist noch nicht gefestigt. Trotzdem: Brasiliens Einzelklasse in der Offensive — Vinícius Júnior, Rodrygo, Endrick — ist auf WM-Niveau. In Gruppe C mit Marokko, Schottland und Haiti fehlt es nicht an Qualität, sondern an Konstanz. Ich sehe Brasilien als Team, das das Turnier gewinnen oder im Viertelfinale scheitern kann — dazwischen gibt es wenig.
Spanien
Europameister 2024, Nations-League-Gewinner — Spanien kommt mit dem Schwung zweier aufeinanderfolgender Titel. Die junge Generation um Pedri, Gavi, Lamine Yamal und Nico Williams hat bei der EM 2024 bewiesen, dass sie auf höchstem Niveau funktioniert. Trainer Luis de la Fuente hat ein System etabliert, das Ballbesitz mit vertikaler Geschwindigkeit verbindet — eine Evolution des klassischen Tiki-Taka. In Gruppe H warten Uruguay, Saudi-Arabien und Kap Verde. Uruguay ist ein ernstzunehmender Gegner, der Rest lösbar. Spaniens Schwachpunkt: Die Defensive hat bei der EM 2024 in einzelnen Spielen gewackelt, und gegen physisch starke Gegner in der K.o.-Runde könnte das zum Problem werden.
England
Seit 1966 wartet England auf den zweiten WM-Titel — und die aktuelle Generation ist die talentierteste seit Jahrzehnten. Bellingham, Saka, Foden, Rice, Alexander-Arnold — die Premier League liefert Spieler im Überfluss. In Gruppe L mit Kroatien, Ghana und Panama ist der Gruppensieg realistisch, aber nicht sicher: Kroatien hat bei den letzten beiden Weltmeisterschaften Halbfinale und Finale erreicht. Englands historische Schwäche bei Turnieren war immer die mentale Seite — das enge Scheitern im EM-Finale 2021 und 2024 sitzt tief. Ob die Three Lions diesen Bann brechen, wird sich in der K.o.-Runde zeigen.
Deutschland
Deutschland in Gruppe E mit Curaçao, Côte d’Ivoire und Ecuador — das ist die komfortabelste Ausgangslage, die der viermalige Weltmeister sich wünschen konnte. Der Heimvorteil der EM 2024 fehlt zwar, aber das DFB-Team hat unter Trainer Julian Nagelsmann eine taktische Klarheit entwickelt, die seit der Ära Löw (2014) vermisst wurde. Jamal Musiala, Florian Wirtz und Kai Havertz bilden eine Offensivreihe, die jeden Gegner vor Probleme stellt. Die Defensive bleibt die Schwachstelle — Deutschlands Gegentorquote in der Qualifikation war nicht meisterlich. Für eine detaillierte Analyse des DFB-Teams verweise ich auf den separaten Länderbericht.
DACH-Teams im Fokus — Schweiz, Österreich, Deutschland
Für die Leser aus Liechtenstein, der Schweiz, Österreich und Deutschland sind drei Mannschaften besonders relevant. Ich habe sie mir genauer angeschaut — nicht aus Patriotismus, sondern weil meine Analyse hier auf dem breitesten Datenfundament steht.
Die Schweiz nimmt zum fünften Mal in Folge an einer WM teil — eine bemerkenswerte Konstanz für eine Nation mit 8,8 Millionen Einwohnern. Die Nati spielt in Gruppe B mit Kanada, Katar und Bosnien und Herzegowina. Auf dem Papier ist das eine Gruppe, in der die Schweiz Gruppensiegerin werden kann. Kanada als Co-Gastgeber wird vom Heimvorteil profitieren und ist der ernsthafteste Konkurrent. Katar hat WM-Erfahrung aus 2022, ist aber technisch und athletisch limitiert. Bosnien ist unberechenbar, aber nicht auf dem Niveau der letzten WM-Teilnahme 2014. Murat Yakin hat eine Mannschaft geformt, die defensiv stabil steht und über schnelle Umschaltmomente gefährlich wird. Granit Xhaka als Metronom im Mittelfeld, Manuel Akanji als Abwehrchef, Breel Embolo und Xherdan Shaqiri als offensive Optionen — der Kader hat Tiefe. Yakins taktische Flexibilität — er wechselt je nach Gegner zwischen Dreier- und Viererkette — gibt der Nati einen Vorteil, den viele Gegner in der Vorbereitung unterschätzen. Die Erfahrung des Viertelfinals bei der EM 2020/2021, als die Schweiz Frankreich im Elfmeterschiessen bezwang, hat dem Team eine mentale Reife verliehen, die bei Turnieren unbezahlbar ist. Ich sehe die Schweiz im Achtelfinale, mit realistischen Chancen auf das Viertelfinale. Für die ausführliche Schweiz-Analyse mit Kader und Quoten empfehle ich den dedizierten Länderbericht.
Österreich steht in Gruppe J vor der undankbarsten Aufgabe der drei DACH-Teams: Argentinien ist der Gruppenkopf und klarer Favorit. Algerien und Jordanien komplettieren die Gruppe. Das ÖFB-Team unter Ralf Rangnick hat sich durch die Qualifikation gekämpft und spielt einen aggressiven Pressing-Fussball, der auch stärkere Gegner vor Probleme stellt. David Alaba, sofern fit, ist der Schlüsselspieler in der Defensive. Marcel Sabitzer und Christoph Baumgartner bringen Qualität im Mittelfeld und Angriff. Rangnicks System lebt von intensivem Pressing und schnellem Umschalten — ein Stil, der bei Turnieren besonders effektiv sein kann, weil Gegner weniger Zeit zur Vorbereitung haben als in der Liga. Bei der EM 2024 beeindruckte Österreich in der Gruppenphase mit einem Sieg gegen die Niederlande und einem kämpferischen Auftritt gegen die Türkei. Realistisches Ziel: Platz zwei hinter Argentinien und Einzug in die Runde der letzten 32. Die Partie Österreich gegen Argentinien wird das Highlight der Gruppenphase für DACH-Fans — und eine echte Standortbestimmung für das ÖFB-Team.

Deutschland habe ich bei den Favoriten bereits besprochen. Ergänzend: Das DFB-Team hat in den letzten zwei Weltmeisterschaften (2018 und 2022) jeweils in der Gruppenphase versagt — ein Muster, das Nagelsmann brechen muss. Die leichte Gruppe E bietet die Chance, mit Selbstvertrauen in die K.o.-Runde zu gehen. Gleichzeitig birgt sie das Risiko der Unterschätzung. Côte d’Ivoire als Afrika-Cup-Sieger 2024 ist kein Selbstläufer, und Ecuador hat in der Qualifikation Brasilien geschlagen. Ich erwarte den Gruppensieg für Deutschland, aber keinen Spaziergang.
Geheimtipps & Überraschungsteams
Jede WM hat ihre Cinderella-Story. 2018 war es Kroatien (Finale), 2022 Marokko (Halbfinale), 2014 Costa Rica (Gruppensieger vor Uruguay, Italien und England). Wer könnte bei der WM 2026 die grosse Überraschung liefern? Ich suche bei Geheimtipps nach drei Merkmalen: eine klare taktische Identität unter einem erfahrenen Trainer, Kaderreife in den Schlüsselpositionen und eine Gruppenkonstellation, die den Aufstieg ermöglicht. Hier sind vier Kandidaten, die über die Quote hinaus Potenzial haben und bei denen der Markt die wahre Stärke unterschätzt.
Marokko ist nach dem historischen Halbfinaleinzug 2022 kein klassischer Geheimtipp mehr — aber die Quoten behandeln die Atlas-Löwen immer noch als Aussenseiter. In Gruppe C mit Brasilien, Schottland und Haiti ist Platz zwei realistisch. Der Kader hat sich seit 2022 weiterentwickelt, und Trainer Walid Regragui hat eine taktische Identität geschaffen, die auf kompakter Defensive und schnellem Konterspiel basiert. Achraf Hakimi, Sofiane Amrabat und Youssef En-Nesyri sind Spieler, die in jeder europäischen Spitzenliga bestehen. Marokkos grösster Vorteil: Die Erfahrung von 2022. Dieses Team weiss, wie man Favoriten stürzt.
Côte d’Ivoire hat den Afrika-Cup 2024 im eigenen Land gewonnen — als Gastgeber unter dramatischen Umständen, nachdem sie in der Gruppenphase fast ausgeschieden wären. Dieses Turnier hat dem Team eine mentale Stärke verliehen, die in Drucksituationen den Unterschied machen kann. In Gruppe E mit Deutschland, Curaçao und Ecuador stehen die Ivorer vor einer machbaren Aufgabe: Platz zwei oder drei ist realistisch. Sébastien Haller, Simon Adingra und Franck Kessié bilden ein Gerüst, das Qualität und Erfahrung vereint.
Japan hat bei den letzten drei Weltmeisterschaften jeweils für Schlagzeilen gesorgt — 2022 mit Siegen über Deutschland und Spanien in der Gruppenphase. In Gruppe F mit den Niederlanden, Schweden und Tunesien könnte Japan erneut den grossen Favoriten ein Bein stellen. Der japanische Fussball hat sich in den letzten zehn Jahren massiv professionalisiert: Zahlreiche Spieler stehen in europäischen Topligen unter Vertrag, die taktische Disziplin ist vorbildlich, und die Geschwindigkeit im Umschaltspiel gehört zu den besten der Welt. Japan als WM-Viertelfinalisten zu sehen, wäre für mich keine Überraschung.
Die Türkei in Gruppe D mit den USA, Australien und Paraguay ist mein vierter Geheimtipp. Arda Güler, Kenan Yıldız und Hakan Çalhanoğlu bringen individuelle Klasse mit, und die türkische Mannschaft hat bei der EM 2024 gezeigt, dass sie gegen starke Gegner bestehen kann. Der Gruppensieg dürfte an die USA gehen, aber Platz zwei ist für die Türkei absolut in Reichweite. Die leidenschaftlichen türkischen Fans in nordamerikanischen Metropolen werden für eine Quasi-Heimatmosphäre sorgen.
Die Gastgeber — USA, Mexiko, Kanada
Drei Gastgeber bei einer WM — das gab es noch nie. Wie stark der Heimvorteil tatsächlich wirkt, ist eine der spannendsten Fragen der WM 2026. Historisch betrachtet haben Gastgeberländer bei Weltmeisterschaften überdurchschnittlich abgeschnitten: Südkorea erreichte 2002 das Halbfinale, Russland 2018 das Viertelfinale, Brasilien 2014 das Halbfinale. Aber der Effekt verteilt sich bei drei Co-Gastgebern anders als bei einem einzelnen Ausrichter.
Die USA spielen in Gruppe D mit Australien, Paraguay und der Türkei. Das USMNT (US Men’s National Team) hat in den letzten Jahren einen Generationenwechsel vollzogen: Christian Pulisic, Weston McKennie, Tyler Adams und Giovanni Reyna stehen bei europäischen Spitzenklubs unter Vertrag. Der Heimvorteil in 11 von 16 Stadien ist real — bei den meisten US-Spielen wird ein überwältigender Teil der 70’000 bis 82’000 Zuschauer für die Gastgeber jubeln. Historisch liegt die Punktausbeute von Gastgebern in der Gruppenphase rund 30 Prozent über ihrem Erwartungswert. Das USMNT hat zudem den Vorteil, keine Reisezeit zwischen den Spielorten zu verlieren — während europäische oder asiatische Teams Jetlag und Klimaumstellungen bewältigen müssen, sind die US-Spieler auf ihrem eigenen Kontinent. Ich sehe die USA als Gruppensieger mit realistischen Chancen auf das Viertelfinale, aber die Kadertiefe reicht nicht für einen Titelkandidaten. Im direkten Vergleich mit europäischen Spitzenteams fehlt es an taktischer Reife in der Defensive und an Erfahrung in Drucksituationen bei K.o.-Spielen.
Mexiko eröffnet das Turnier am 11. Juni im Estadio Azteca gegen Südafrika. El Tri hat die längste WM-Tradition der drei Gastgeber — 17 Teilnahmen, davon als Gastgeber 1970 und 1986. In Gruppe A mit Südkorea, Südafrika und Tschechien stehen die Chancen auf den Gruppensieg gut. Mexikos Fussball hat in den letzten Jahrzehnten ein wiederkehrendes Muster gezeigt: starke Gruppenphasen, dann Scheitern im Achtelfinale. Bei sieben der letzten acht WM-Teilnahmen war im Achtelfinale Schluss. Die WM 2026 bietet die Chance, diesen „Fluch“ mit der Unterstützung von 87’000 Fans im Azteca zu brechen.
Kanada ist der Überraschungsgast unter den Gastgebern. Die WM 2022 war Kanadas erste WM-Teilnahme seit 1986 — und endete mit drei Niederlagen. In Gruppe B mit der Schweiz, Katar und Bosnien und Herzegowina hat Kanada bessere Karten, zumal das abschliessende Gruppenspiel gegen die Schweiz im eigenen BC Place in Vancouver stattfindet. Alphonso Davies ist der Star des Teams — einer der schnellsten Spieler der Welt und bei Bayern München gesetzt. Jonathan David bringt Torgefahr mit. Das BMO Field in Toronto und das BC Place in Vancouver werden für eine beeindruckende Atmosphäre sorgen. Kanadas realistisches Ziel: Runde der letzten 32, alles darüber hinaus wäre ein historischer Erfolg.
WM-Debütanten & Rückkehrer
Die Aufstockung auf 48 Teams hat Platz geschaffen für Nationen, die zum ersten Mal oder nach langer Abwesenheit an einer WM teilnehmen. Diese Debütanten und Rückkehrer bringen oft eine Leidenschaft und Unberechenbarkeit mit, die etablierte Teams unterschätzen — manchmal zu ihrem Nachteil. Bei der WM 2014 hielt Costa Rica gegen Uruguay, Italien und England stand und gewann die Gruppe. Bei der WM 2022 schlug Saudi-Arabien Argentinien im Eröffnungsspiel. Die Vergangenheit lehrt: Unterschätze keinen WM-Neuling.
Haiti spielt in Gruppe C mit Brasilien, Marokko und Schottland seine allererste WM. Der karibische Inselstaat mit rund 11 Millionen Einwohnern hat sich über die CONCACAF-Qualifikation durchgesetzt — ein historischer Moment für ein Land, das von politischen und wirtschaftlichen Krisen geplagt ist. Haitis Fussball ist technisch versiert, aber in der physischen Intensität und der taktischen Organisation liegen Defizite. In Gruppe C ist die Aussenseiterrolle klar, aber das Erlebnis einer WM-Teilnahme ist für das Land bereits ein Sieg. Curaçao, ebenfalls eine karibische Inselnation, debütiert in Gruppe E gegen Deutschland. Die Mannschaft besteht grösstenteils aus Spielern mit niederländischer Doppelstaatsbürgerschaft, die in der Eredivisie oder unteren europäischen Ligen spielen. Der Vorteil dieser Doppelstruktur: Die Spieler kennen europäische Spielweisen aus erster Hand.
Kap Verde ist eine weitere afrikanische Debütantin. Der Inselstaat im Atlantik mit weniger als 600’000 Einwohnern spielt in Gruppe H gegen Spanien, Uruguay und Saudi-Arabien. Die Qualifikation war bereits ein Triumph — nun geht es darum, Erfahrung zu sammeln und dem Weltfussball ein Zeichen zu geben. Die DR Kongo in Gruppe K hat eine lange Fussballtradition, aber keine WM-Teilnahme seit 1974 (damals noch als Zaire). Die Rückkehr nach über 50 Jahren ist ein emotionales Ereignis für das Land, und mit einer Generation junger Spieler in europäischen Ligen — darunter Chancel Mbemba und Yoannes Masasi — bringt die DR Kongo mehr sportliche Substanz mit als damals.
Irak (Gruppe I) kehrt erstmals seit 1986 zur WM zurück. Die irakische Mannschaft hatte 2007 sensationell den Asien-Cup gewonnen, konnte sich aber seither nie für eine WM qualifizieren. Die Qualifikation 2026 war ein Marathon über drei Jahre Vorqualifikation und Hauptrunde — und der Moment der Qualifikation löste in Bagdad Strassenfeierlichkeiten aus, die tagelang anhielten. Usbekistan (Gruppe K) nimmt ebenfalls erstmals an einer WM teil — ein Durchbruch für den zentralasiatischen Fussball, der in den letzten Jahren durch Investitionen in die Jugendarbeit gewachsen ist. Jordanien in Gruppe J hat sich als Überraschungsteam durch die asiatische Qualifikation gekämpft, gestärkt durch das Asien-Cup-Finale 2024, und debütiert ausgerechnet gegen Argentinien — ein Duell, das die ganze Bandbreite des WM-Formats 2026 illustriert.
Unter den Rückkehrern sticht Schottland hervor: Die letzte WM-Teilnahme der Tartan Army liegt 28 Jahre zurück (1998 in Frankreich). In Gruppe C mit Brasilien, Marokko und Haiti dürfte es für den Favoriten-Status nicht reichen, aber die schottischen Fans werden das Turnier mit ihrer Leidenschaft bereichern. Eine ganze Generation von Schotten wird zum ersten Mal ihre Nationalmannschaft bei einer WM erleben — und Andy Robertson als Kapitän trägt die Verantwortung, diese Wartezeit mit Leistung zu würdigen. Schweden kehrt ebenfalls zurück, nachdem das Team die WM 2022 verpasst hatte, und bringt mit Alexander Isak (Newcastle) und Viktor Gyökeres (Sporting) zwei der formstärksten Stürmer Europas mit.

Alle 48 Teams — Übersichtstabelle
Bevor ich in Diskussionen über einzelne Teams eintauche, halte ich mich an eine Gewohnheit: zuerst die Übersicht, dann die Analyse. Diese Tabelle zeigt alle 48 WM 2026 Teams mit Gruppenzugehörigkeit, FIFA-Ranking und meiner persönlichen Einschätzung der Turnierchancen. Die Kategorisierung (Favorit, Herausforderer, Mittelmass, Aussenseiter) basiert auf einer Kombination aus Kaderqualität, Form, Gruppenkonstellation und historischer WM-Bilanz.
| Gruppe | Team | FIFA-Rang | Status |
|---|---|---|---|
| A | Mexiko | 15 | Herausforderer |
| A | Südkorea | 22 | Mittelmass |
| A | Südafrika | 59 | Aussenseiter |
| A | Tschechien | 36 | Mittelmass |
| B | Kanada | 29 | Mittelmass |
| B | Schweiz | 18 | Herausforderer |
| B | Katar | 56 | Aussenseiter |
| B | Bosnien u. Herz. | 71 | Aussenseiter |
| C | Brasilien | 5 | Favorit |
| C | Marokko | 13 | Herausforderer |
| C | Schottland | 39 | Mittelmass |
| C | Haiti | 87 | Aussenseiter |
| D | USA | 11 | Herausforderer |
| D | Australien | 24 | Mittelmass |
| D | Paraguay | 42 | Mittelmass |
| D | Türkei | 26 | Mittelmass |
| E | Deutschland | 3 | Favorit |
| E | Curaçao | 91 | Aussenseiter |
| E | Côte d’Ivoire | 33 | Herausforderer |
| E | Ecuador | 28 | Mittelmass |
| F | Niederlande | 7 | Favorit |
| F | Japan | 14 | Herausforderer |
| F | Schweden | 40 | Mittelmass |
| F | Tunesien | 44 | Mittelmass |
| G | Belgien | 6 | Herausforderer |
| G | Iran | 21 | Mittelmass |
| G | Ägypten | 38 | Mittelmass |
| G | Neuseeland | 93 | Aussenseiter |
| H | Spanien | 1 | Favorit |
| H | Uruguay | 9 | Herausforderer |
| H | Saudi-Arabien | 53 | Aussenseiter |
| H | Kap Verde | 72 | Aussenseiter |
| I | Frankreich | 2 | Favorit |
| I | Senegal | 17 | Herausforderer |
| I | Irak | 55 | Aussenseiter |
| I | Norwegen | 45 | Mittelmass |
| J | Argentinien | 1 | Favorit |
| J | Algerien | 35 | Mittelmass |
| J | Österreich | 23 | Herausforderer |
| J | Jordanien | 68 | Aussenseiter |
| K | Portugal | 8 | Favorit |
| K | Kolumbien | 12 | Herausforderer |
| K | Usbekistan | 61 | Aussenseiter |
| K | DR Kongo | 54 | Aussenseiter |
| L | England | 4 | Favorit |
| L | Kroatien | 10 | Herausforderer |
| L | Ghana | 47 | Mittelmass |
| L | Panama | 52 | Aussenseiter |
Einige Anmerkungen zur Tabelle: Das FIFA-Ranking ist ein Indikator, aber kein perfekter Massstab. Belgien auf Rang 6 hat eine alternde Mannschaft und ist schwächer einzustufen, als das Ranking vermuten lässt — die Goldene Generation um De Bruyne und Lukaku hat ihren Zenit überschritten. Marokko auf Rang 13 ist nach dem WM-Halbfinale 2022 stärker einzuschätzen, als die Zahl suggeriert. Ähnliches gilt für Kroatien auf Rang 10: Die Luka-Modrić-Generation altert, aber die Turniererfahrung macht die Mannschaft in der K.o.-Runde gefährlich. Ein Team, das ich besonders im Auge behalte, ist Norwegen in Gruppe I: Mit Erling Haaland im Sturm besitzt die Mannschaft einen Spieler, der ein einzelnes Spiel im Alleingang entscheiden kann. Gegen Frankreich in der Gruppe wird das nicht reichen, aber gegen Senegal oder Irak könnte Haalands Präsenz den Unterschied machen.
Die Kategorie „Herausforderer“ umfasst Teams, die das Potenzial haben, in die K.o.-Runde vorzudringen und dort für Überraschungen zu sorgen — ohne als klare Titelkandidaten zu gelten. In diese Kategorie fallen neben der Schweiz und Kolumbien auch Uruguay und Senegal, die bei früheren Turnieren bewiesen haben, dass sie auf höchstem Niveau konkurrieren können. Uruguay bringt mit Darwin Núñez, Federico Valverde und Ronald Araújo eine Mischung aus Jugend und Weltklasse mit, die in Gruppe H hinter Spanien um Platz zwei kämpfen wird. Die Gruppe der „Mittelmässigen“ ist die am schwierigsten einzuschätzende: Südkorea, Tschechien, Schweden, Ecuador und Norwegen könnten in ihrer Gruppe sowohl weiterkommen als auch früh scheitern — es hängt von der Tagesform und der Gruppenkonstellation ab. Südkorea zum Beispiel hat eine beeindruckende WM-Tradition (Halbfinale 2002, Gruppenaus 2022) und ist mit Son Heung-min im Kader nie zu unterschätzen.
Unter den Aussenseitern verdienen Neuseeland und Kap Verde besondere Erwähnung. Beide Teams haben kaum Chancen, die Gruppenphase zu überstehen, aber sie verkörpern den Geist der erweiterten WM: Nationen, die bisher ausgeschlossen waren, erhalten die Möglichkeit, sich auf der grössten Bühne des Fussballs zu messen. Neuseeland blieb bei der WM 2010 in drei Gruppenspielen ungeschlagen — drei Unentschieden, darunter gegen den späteren Weltmeister Italien. Solche Ergebnisse sind das, was eine WM unvergesslich macht. Für eine detaillierte Gruppenanalyse mit Quotencheck und Prognosen verweise ich auf die separate Übersicht aller 12 Staffeln.
Power-Ranking — Top 10 der WM 2026
Nach der Analyse aller 48 Teams stelle ich mein persönliches Power-Ranking auf. Diese Reihenfolge basiert auf Kadertiefe, taktischer Identität, Turnierform und Gruppenkonstellation — nicht auf Sympathie oder historischem Prestige. Ich habe dieses Ranking seit 2018 für jede WM erstellt, und es hat sich bewährt, dass die Kombination aus harten Daten und Turniererfahrung die beste Annäherung an die tatsächlichen Chancen liefert.
Auf Platz eins steht Argentinien: Titelverteidiger, eingespieltes System, der Messi-Faktor als emotionale und spielerische Triebfeder. Platz zwei belegt Frankreich — die breiteste Kadertiefe des Turniers und die beste Bilanz bei Grossereignissen seit 2018. Spanien auf Platz drei bringt den frischesten Siegeswillen mit als amtierender Europameister und hat die jüngste Startelf unter den Topfavoriten. England folgt auf Rang vier: Talent im Überfluss aus der Premier League, aber der ewige Druck der seit 1966 andauernden Durststrecke. Platz fünf geht an Deutschland — die leichteste Gruppe, eine starke Offensive um Musiala und Wirtz, aber eine Defensive, die gegen Topgegner noch Fragen aufwirft.
Brasilien liegt auf Rang sechs: unbestreitbare Einzelklasse in der Offensive, aber fehlende taktische Konstanz und ein Umbruch, der bei Turnieren Unsicherheit schafft. Portugal auf sieben profitiert von der Kadertiefe hinter dem alternden Ronaldo — Bernardo Silva, Bruno Fernandes und Rafael Leão bilden ein Gerüst, das auch ohne Ronaldo auf höchstem Niveau funktioniert. Die Niederlande auf acht spielen attraktiven Fussball unter einem pragmatischen Trainer, aber Japan in der Gruppe F ist ein gefährlicher Gegner, der Oranje bereits 2022 unter Druck setzte. Kroatien auf Rang neun hat die Turniererfahrung der letzten Dekade — Finale 2018, Halbfinale 2022 —, aber die alternde Kernmannschaft macht jedes Turnier zu einer potenziellen Abschiedsvorstellung. Und auf Platz zehn setze ich Marokko — das Team, das 2022 bewiesen hat, dass WM-Halbfinals keine europäisch-südamerikanische Exklusivveranstaltung sein müssen.
Knapp ausserhalb meiner Top 10 stehen Uruguay, Senegal und die Schweiz — drei Teams, die an einem guten Tag jede Mannschaft der Welt schlagen können. Die Schweiz hat die Turniererfahrung und die taktische Reife, um das Achtelfinale zu erreichen, und die Qualität von Granit Xhaka gibt dem Team einen Anker, der bei Turnieren unbezahlbar ist. Dieses Ranking ist eine Momentaufnahme. Bis zum 11. Juni können Verletzungen, Trainerwechsel und Formtiefs alles verändern. Aber die Grundtendenz bleibt: Die WM 2026 hat mehr ernstzunehmende Anwärter als jedes vorherige Turnier — und genau das macht sie so faszinierend. Nutzen Sie diesen Überblick als Ausgangspunkt und verfolgen Sie die Entwicklungen in den kommenden Wochen, denn bei einem Turnier mit 48 Teams verändern sich die Kräfteverhältnisse schneller, als jedes Ranking es abbilden kann.
Wie viele Teams nehmen erstmals an einer WM teil?
Bei der WM 2026 feiern mehrere Nationen ihr WM-Debüt, darunter Haiti, Curaçao, Kap Verde, Jordanien und Usbekistan. Dazu kommen Rückkehrer wie Irak (letzte WM 1986), DR Kongo (1974) und Schottland (1998). Die Aufstockung auf 48 Teams hat Platz für Nationen geschaffen, die zuvor nie oder selten an einer WM teilgenommen haben.
Wer sind die Favoriten für den WM-Titel 2026?
Argentinien und Frankreich führen die Favoritenliste an, gefolgt von Spanien, England, Brasilien und Deutschland. Argentinien geht als Titelverteidiger und amtierender Copa-América-Sieger ins Turnier. Frankreich verfügt über die grösste Kadertiefe. Spanien kommt als Europameister 2024 mit Schwung.
In welchen Gruppen spielen die DACH-Teams bei der WM 2026?
Die Schweiz spielt in Gruppe B mit Kanada, Katar und Bosnien und Herzegowina. Deutschland ist in Gruppe E mit Curaçao, Côte d’Ivoire und Ecuador gelost. Österreich trifft in Gruppe J auf Titelverteidiger Argentinien, Algerien und Jordanien.
Hat Liechtenstein sich für die WM 2026 qualifiziert?
Liechtenstein hat sich nicht für die WM 2026 qualifiziert. Das Fürstentum belegte in der UEFA-Qualifikationsgruppe J den letzten Platz. Kulturell und sportlich orientiert sich Liechtenstein an den DACH-Nachbarn — die Schweiz, Österreich und Deutschland sind die nächstliegenden Mannschaften, mit denen sich die Bevölkerung identifiziert.
Erstellt von der Redaktion von „Lifootballwm“.
