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Argentinien bei der WM 2026: Titelverteidiger unter der Lupe

Argentinische Fussball-Nationalmannschaft im Trikot auf dem Spielfeld bei der WM 2026

Noch nie hat ein Team die WM zweimal hintereinander gewonnen, seit Brasilien 1962 den Titel in Chile verteidigte. Argentinien will bei der WM 2026 Geschichte schreiben — und ich halte das für realistischer, als die meisten denken. Nach dem Triumph in Katar 2022 und dem Copa-América-Sieg 2024 kommt die Albiceleste mit einer Siegesserie nach Nordamerika, die in der Geschichte des Fussballs ihresgleichen sucht. 36 Spiele ungeschlagen war Argentinien zwischen 2022 und 2023 — ein Lauf, der das Team zu einem der dominantesten seiner Generation machte.

Ich verfolge argentinische Nationalmannschaften seit meinem Einstieg in die WM-Analyse 2018, und was Trainer Lionel Scaloni aufgebaut hat, beeindruckt mich zutiefst. Argentinien bei der WM 2026 ist nicht nur das Team von Lionel Messi — es ist eine Mannschaft mit taktischer Identität, einem starken Kollektiv und einer Siegermentalität, die nach zwei grossen Titeln in Folge zur zweiten Natur geworden ist. Auf WettRadar analysiere ich die Albiceleste aus der Perspektive eines Wettstrategen: Kadertiefer als jedes andere Team, eine Gruppe ohne echte Stolpersteine und Quoten, die den Favoritenstatus klar widerspiegeln.

Kurz zusammengefasst: Argentinien ist der Topfavorit der WM 2026 mit Quoten zwischen 5.00 und 6.00. Gruppe J mit Algerien, Österreich und Jordanien ist machbar. Die grosse Frage lautet: Kann Messi mit 39 Jahren noch den Unterschied ausmachen — oder hat Argentinien genug Qualität, um auch ohne seinen Jahrhundertspieler zu bestehen? Die Antwort auf diese Frage bestimmt, ob die Titelverteidigung gelingt.

Ladevorgang...

Inhaltsverzeichnis
  1. Qualifikation — Der Weg des Titelverteidigers
  2. Kader-Analyse — Stars, Generationenwechsel & Messis Rolle
  3. Gruppe J — Algerien, Österreich, Jordanien
  4. Wettquoten — Favorit Nummer 1?
  5. Argentinien bei Weltmeisterschaften — 3 Titel und grosse Dramen
  6. Prognose — Gelingt die Titelverteidigung?
  7. Mein Urteil zur Albiceleste

Qualifikation — Der Weg des Titelverteidigers

Wer glaubt, dass sich ein Weltmeister automatisch für die nächste WM qualifiziert, kennt die südamerikanische Qualifikation nicht. In Südamerika gibt es keine leichten Spiele — jedes Auswärtsspiel in Bogotá auf 2’640 Metern Höhe oder in La Paz auf 3’640 Metern ist ein Überlebenskampf. Argentinien hat diesen Weg gemeistert, wenn auch nicht immer souverän. Gerade das macht die Eliminatorias so wertvoll als Vorbereitungsinstrument: Kein anderer Verband der Welt stellt seine Teams vor ähnlich harte Prüfungen.

Die südamerikanische WM-Qualifikation ist ein Marathon über 18 Spieltage, der sich über zwei Jahre erstreckt. Argentinien beendete die Kampagne auf einem der vorderen Plätze und sicherte sich die direkte Qualifikation. Einige Auswärtsspiele gingen verloren — in der Höhe von Quito und La Paz ist das normal und kein Alarmzeichen. Entscheidend war die Heimstärke: Im Estadio Monumental in Buenos Aires blieb Argentinien fast ungeschlagen und nutzte die Unterstützung von über 70’000 Fans in jedem Heimspiel. Die Tordifferenz zu Hause lag bei mehr als 2.5 Toren pro Spiel — ein Wert, der die Dominanz unterstreicht.

Scaloni hat nach dem WM-Triumph 2022 behutsam den Generationenwechsel eingeleitet. Ältere Spieler wie Ángel Di María haben ihren Rücktritt erklärt, und jüngere Akteure sind nachgerückt. Dieser Übergang verlief erstaunlich reibungslos — ein Zeichen dafür, dass Scalonis System funktioniert und nicht von einzelnen Spielern abhängt. Die Copa América 2024 in den USA gewann Argentinien überlegen und bewies damit, dass der Hunger nach Titeln ungebrochen ist. Fünf Siege in sechs Spielen, nur ein Gegentor in der K.-o.-Runde — das sind Zahlen, die für sich sprechen.

Die Formkurve vor der WM 2026 zeigt ein Team auf hohem Niveau. Die Testspiele im Frühjahr 2026 brachten solide Ergebnisse, und die taktische Abstimmung zwischen den Mannschaftsteilen wirkte eingespielt. Scaloni experimentierte mit verschiedenen Formationen und gab jüngeren Spielern Einsatzzeit — ein Zeichen dafür, dass er den Kader breit aufstellt und für alle Szenarien vorbereitet ist. Die defensive Stabilität, die bereits bei der WM 2022 das Fundament war, hat sich unter Scaloni weiter verstärkt. Argentinien kassiert im Schnitt weniger als 0.8 Gegentore pro Spiel in Pflichtspielen — einer der besten Werte weltweit. Offensiv hat sich das Team weiterentwickelt: Die Abhängigkeit von Messi, die bei früheren Turnieren bisweilen lähmend wirkte, ist einer kollektiven Offensivstärke gewichen, bei der mehrere Spieler Tore erzielen und Chancen kreieren können. Das macht Argentinien bei der WM 2026 schwerer auszurechnen als noch vor vier Jahren.

Kader-Analyse — Stars, Generationenwechsel & Messis Rolle

Als ich im Januar 2026 eine Liste der besten Kader für die WM aufstellte, landete Argentinien auf Platz 1. Nicht wegen eines einzelnen Spielers, sondern wegen der Tiefe und Qualität auf jeder Position. Dieses Team hat auf jeder Position mindestens zwei Spieler, die in den Top-5-Ligen Europas auf höchstem Niveau agieren. Lassen Sie mich das aufschlüsseln. Scaloni hat einen Kader geformt, der in seiner Ausgewogenheit an die besten Mannschaften der WM-Geschichte erinnert — und der auf der Bank Spieler hat, die bei anderen Nationen Stammspieler wären. Diese Tiefe ist bei einem Turnier mit bis zu sieben Spielen in fünf Wochen ein enormer Vorteil, weil Rotation ohne Qualitätsverlust möglich ist.

Lionel Messi ist 39 Jahre alt und spielt seit 2023 in der MLS bei Inter Miami. Die Frage, ob er bei der WM 2026 dabei sein wird, beschäftigt die Fussballwelt seit Monaten. Meine Einschätzung: Messi wird im Kader stehen, aber nicht mehr als unumstrittener Stammspieler über 90 Minuten. Seine Rolle wird die eines Einwechselspielers und Mentors sein — 20 bis 30 Minuten in der zweiten Halbzeit, wenn frische Beine den Unterschied machen können. Messi bringt auch mit 39 Jahren eine Spielintelligenz und Passqualität mit, die kein anderer Spieler der Welt bieten kann. Sein blosses Auftreten auf dem Platz verändert die Dynamik eines Spiels — Verteidiger verschieben sich zu ihm hin und öffnen Räume für Mitspieler. In der MLS hat er trotz reduzierter Spielzeit weiterhin konstant getroffen und Assists geliefert, was beweist, dass die Qualität noch vorhanden ist, auch wenn die Intensität nicht mehr über 90 Minuten reicht.

Die Zukunft gehört Julián Álvarez und Lautaro Martínez. Álvarez hat sich in der Premier League zum Stammspieler entwickelt und bringt eine Kombination aus Laufbereitschaft, Abschlussqualität und taktischer Disziplin mit, die ihn zum idealen Mittelstürmer für ein Turnier macht. Seine Arbeitsrate ist überragend — er läuft mehr als die meisten Angreifer in den Top-Ligen und gewinnt Bälle in Situationen zurück, die andere Stürmer aufgeben würden. Martínez ist seit Jahren einer der besten Stürmer der Serie A und hat seine Torgefahr bei der Copa América 2024 erneut unter Beweis gestellt. Zusammen bilden sie ein Sturmduo, das jede Verteidigung vor Probleme stellt — Álvarez mit seiner Beweglichkeit und Martínez mit seiner Körperlichkeit und seinem Timing im Strafraum.

Im Mittelfeld ist Rodrigo De Paul der Anführer neben Enzo Fernández, der sich nach seinem Wechsel in die Premier League zu einem der besten Mittelfeldspieler der Welt entwickelt hat. Fernández kontrolliert das Tempo, verteilt die Bälle und hat einen Schuss aus der Distanz, der bei Standards und aus dem Spiel heraus gefährlich ist. Alexis Mac Allister ergänzt das Mittelfeldzentrum mit seiner Pressingresistenz und seinem Auge für den tödlichen Pass. Die Breite im Mittelfeld erlaubt es Scaloni, in jedem Spiel frische Kräfte einzusetzen, ohne an Qualität einzubüssen. Giovani Lo Celso und Leandro Paredes stehen als weitere Optionen bereit und können in verschiedenen taktischen Szenarien eingesetzt werden.

Die Abwehr ist das Fundament, auf dem alles aufbaut. Cristian Romero und Lisandro Martínez bilden ein Innenverteidiger-Duo, das physisch stark und taktisch intelligent agiert. Beide spielen in der Premier League und sind an die Intensität hochklassiger Spiele gewöhnt. Romeros aggressive Zweikampfführung und Martínez‘ Positionsspiel ergänzen sich ideal. Auf den Aussenpositionen agieren Nahuel Molina und Nicolás Tagliafico, die beide offensiv wie defensiv ihre Aufgaben erfüllen. Im Tor steht Emiliano Martínez — der Held des WM-Finales 2022, dessen Elfmeterparaden legendär sind und dessen Präsenz bei Penaltys allein schon einen psychologischen Vorteil darstellt. Seine Reflexe und seine Fähigkeit, Schützen zu verunsichern, machen ihn zum besten Elfmeter-Torhüter im Weltfussball.

Gruppe J — Algerien, Österreich, Jordanien

Ich gebe zu: Als ich Gruppe J sah, musste ich schmunzeln. Für den Titelverteidiger ist das eine Aufwärmrunde. Aber ich habe 2018 gelernt, dass Arroganz der grösste Feind eines Favoriten ist — Deutschland lässt grüssen. Also nehme ich jeden Gegner ernst und analysiere die Gruppe so, als stünde das Ergebnis nicht schon fest.

Algerien hat sich über die afrikanische Qualifikation durchgesetzt und bringt eine leidenschaftliche Fanbasis mit, die in Nordamerika zahlreich vertreten sein wird. Das Team der „Wüstenfüchse“ spielt einen physisch intensiven Fussball und kann in Einzelspielen überraschen. Die individuelle Qualität reicht nicht, um Argentinien über 90 Minuten zu gefährden, aber ein frühes Tor und eine kompakte Defensive könnten für Unruhe sorgen. Algerien gewann den Afrika-Cup 2019 und hat seitdem eine solide Mannschaft aufgebaut, die in Afrika zu den Top-Teams zählt. Spieler wie Riyad Mahrez bringen internationale Erfahrung mit, und der Teamgeist der Algerier ist bei afrikanischen Turnieren regelmässig ein Faktor. FIFA-Ranking: Platz 35. Für die Schweiz und Österreich ist dieses Ergebnis relevant: Gewinnt Algerien Punkte gegen Argentinien, könnte das die Gruppendynamik verändern.

Österreich ist aus DACH-Sicht der spannendste Gegner in dieser Gruppe — und das Duell Argentinien gegen Österreich wird für Fans in Liechtenstein eines der Highlights der Vorrunde. Das ÖFB-Team unter Ralf Rangnick spielt einen intensiven Pressing-Fussball, der auch Top-Gegner unter Druck setzen kann. Bei der EM 2024 überraschte Österreich mit starken Leistungen in der Vorrunde, und der Kader hat sich seitdem weiterentwickelt. Marcel Sabitzer und Konrad Laimer bringen Bundesliga-Erfahrung mit, und die taktische Disziplin des Teams ist bemerkenswert. Gegen Argentinien reicht es wahrscheinlich nicht zum Sieg, aber ein Punktgewinn ist drin — besonders, wenn Scaloni Rotation betreibt und nicht mit voller Konzentration antritt. FIFA-Ranking: Platz 22.

Jordanien ist der Aussenseiter der Gruppe und nimmt zum ersten Mal an einer WM teil. Das Team hat sich als Überraschungsfinalist des Asien-Cups 2023 einen Namen gemacht und sich über die asiatische Qualifikation für die WM qualifiziert — eine historische Leistung für ein Land, das im Fussball lange Zeit unter dem Radar flog. Der Kader setzt sich hauptsächlich aus Spielern der jordanischen Liga und anderer asiatischer Ligen zusammen, mit wenigen Ausnahmen von Profis aus europäischen unteren Ligen. Die taktische Ausrichtung ist defensiv orientiert, und das Team wird versuchen, die Gegentorflut zu begrenzen. Für Argentinien ist dieses Spiel ein klarer Pflichtsieg — die Quoten für einen argentinischen Sieg dürften bei unter 1.15 liegen. FIFA-Ranking: Platz 68. Ein hoher Sieg der Albiceleste ist wahrscheinlich und könnte für das Torverhältnis wichtig sein.

Mein Szenario für Gruppe J: Argentinien gewinnt alle drei Spiele und sichert sich den Gruppensieg mit maximalem Ertrag. Österreich wird Zweiter, Algerien Dritter — mit einer realistischen Chance, als bester Drittplatzierter weiterzukommen — und Jordanien Vierter. Das Direktduell Argentinien gegen Österreich ist das Topspiel der Gruppe und wird zeigen, wie ernst der Titelverteidiger die Vorrunde nimmt.

Wettquoten — Favorit Nummer 1?

Ich habe in meiner Karriere als Wettanalyst gelernt, dass der Titelverteidiger-Status allein keine Wettentscheidung rechtfertigt. Aber bei Argentinien kommen mehrere Faktoren zusammen, die den Favoritenstatus untermauern: der beste Kader in der Tiefe, ein erprobter Trainer, Turniererfahrung auf höchstem Niveau und eine Siegermentalität, die nach WM 2022 und Copa América 2024 fest verankert ist.

Markt Quote Implizierte Wahrsch.
WM-Titel 5.50 18 %
Finalist 2.80 36 %
Gruppensieg Gruppe J 1.25 80 %
Halbfinale erreichen 1.80 56 %

Die Titelquote von 5.50 macht Argentinien zum Topfavoriten oder einem der zwei Topfavoriten neben Frankreich. Mein Modell kommt auf eine Titelwahrscheinlichkeit von rund 16 Prozent — etwas unter dem Markt, weil ich den Alterungsprozess einiger Schlüsselspieler und die langen Reisedistanzen in Nordamerika als leicht negativen Faktor einrechne. Trotzdem: 16 Prozent bei einer WM mit 48 Teams bedeuten, dass Argentinien mit Abstand die beste Einzelwette auf den Titel ist. Kein anderes Team erreicht in meinem Modell mehr als 14 Prozent.

Wo der Value liegt: Der Gruppensieg bei 1.25 lohnt sich nicht — das Risiko-Ertrag-Verhältnis ist zu schlecht. Interessanter sind die Spezialwetten: „Argentinien erreicht das Finale“ bei 2.80 bietet bei meiner geschätzten Wahrscheinlichkeit von 30 bis 35 Prozent einen leichten Value. Noch spannender finde ich Spielerwetten — etwa „Julián Álvarez WM-Torschützenkönig“ oder „Argentinien kassiert weniger als 3 Gegentore in der Gruppenphase“. Diese Nischenmärkte sind oft weniger effizient bepreist als die Standardmärkte und bieten Raum für informierte Wetter.

Ein Aspekt, den ich besonders beobachte: Die Quoten für „Argentinien gewinnt die WM ohne Niederlage“ liegen bei rund 8.00. Bei der WM 2022 verlor Argentinien nur ein Gruppenspiel gegen Saudi-Arabien und gewann danach alle Spiele bis zum Finale inklusive. Die Qualität des Kaders und die leichte Gruppe sprechen dafür, dass ein ähnlicher Lauf möglich ist — wenn auch die K.-o.-Runde gegen stärkere Gegner stets Risiken birgt. Bei einer Quote von 8.00 und einer von mir geschätzten Wahrscheinlichkeit von rund 15 Prozent ergibt sich ein deutlicher Value.

Argentinien bei Weltmeisterschaften — 3 Titel und grosse Dramen

Argentinien und die WM — das ist eine Liebesgeschichte voller Höhepunkte und Tragödien. Drei Titel (1978, 1986, 2022), sechs Endspielteilnahmen und Momente, die ins kollektive Gedächtnis eingegangen sind. Die „Hand Gottes“ von Maradona 1986, das dramatische Finale 2014 gegen Deutschland in Rio de Janeiro, das Elfmeterschiessen 2022 gegen Frankreich — kein anderes Land verbindet so viel Emotion mit der Weltmeisterschaft wie Argentinien.

Der Titel 2022 in Katar war für eine ganze Generation das erlösende Ereignis. Messi, der zuvor dreimal in einem WM-Finale oder Halbfinale gescheitert war, krönte seine Karriere mit dem ersehnten WM-Pokal. Das Finale gegen Frankreich — ein 3:3 nach Verlängerung, entschieden im Elfmeterschiessen — gilt als eines der besten Fussballspiele aller Zeiten. Mbappés Hattrick in der zweiten Halbzeit und Verlängerung, Messis zwei Tore, die Dramatik der letzten Minuten — dieses Spiel hatte alles, was Fussball ausmacht. Für Argentinien war es mehr als ein Titel: Es war die Bestätigung, dass das Land nach Jahren der Enttäuschungen (WM-Finale 2014 verloren, Copa-América-Finals 2015 und 2016 verloren) wieder an der Spitze steht.

Der erste Titel 1978 im eigenen Land bleibt historisch umstritten, aber sportlich war er ein Meilenstein für den argentinischen Fussball. Mario Kempes wurde mit sechs Toren Torschützenkönig und führte die Albiceleste zum ersten WM-Triumph. 1986 in Mexiko folgte der Triumph, der untrennbar mit Diego Maradona verbunden ist — sein Solo-Tor gegen England im Viertelfinale gilt als schönstes WM-Tor aller Zeiten. Maradona trug Argentinien praktisch im Alleingang zum Titel, mit fünf Toren und fünf Assists in sieben Spielen. Zwischen 1986 und 2022 wartete Argentinien 36 Jahre auf den dritten Titel — eine Durststrecke, die mit Messis Tränen in Katar endete. In dieser Zeit erreichte Argentinien zweimal das Finale (1990 und 2014), verlor aber beide Male. Die Niederlage 2014 gegen Deutschland in Rio de Janeiro war besonders schmerzhaft für Messi, der den Goldenen Ball als bester Spieler des Turniers erhielt, aber den Pokal nicht in den Händen halten durfte.

Für die WM 2026 bedeutet diese Geschichte: Argentinien weiss, wie man Titel gewinnt. Die Erfahrung aus Katar — die Fähigkeit, nach einem Rückstand zurückzukommen, die Nervenstärke im Elfmeterschiessen — ist ein immaterieller Vorteil, den kein Trainingsplan ersetzen kann. Scalonis Mannschaft hat die Sieger-DNA verinnerlicht, und genau das macht sie so gefährlich für jeden Gegner im Turnier.

Prognose — Gelingt die Titelverteidigung?

Ich sage es direkt: Argentinien ist mein Favorit Nummer 1 für die WM 2026. Nicht weil es der Titelverteidiger ist — der Status allein zählt wenig — sondern weil der Kader, der Trainer, die Mentalität und das System eine Einheit bilden, die in der aktuellen Fussballwelt einzigartig ist. Kein anderes Team hat in den letzten vier Jahren so konstant auf höchstem Niveau geliefert wie Argentinien.

Die Gruppenphase wird Argentinien ohne grosse Mühe überstehen. In der Round of 32 und im Achtelfinale dürften keine unüberwindbaren Hürden warten. Kritisch wird es ab dem Viertelfinale, wo ein Duell mit einer europäischen Spitzenmannschaft — Spanien, Deutschland oder Niederlande — wahrscheinlich ist. Im Halbfinale könnte dann Frankreich oder Brasilien warten. Genau in diesen Spielen entscheidet sich, ob Argentinien die Titelverteidigung schafft. Die K.-o.-Kompetenz des Teams — demonstriert durch die WM 2022 und die Copa América 2024 — ist dabei der grösste Trumpf.

Mein realistisches Szenario: Halbfinale. Mein optimistisches Szenario: Titelverteidigung. Die Wahrscheinlichkeit dafür liegt bei rund 16 Prozent — in 5 von 6 Fällen gewinnt ein anderes Team. Aber diese 16 Prozent sind die höchste Einzelwahrscheinlichkeit aller 48 Mannschaften, und das sagt alles über die Stärke dieses Teams. Selbst wenn Messi keine tragende Rolle mehr spielt, hat Argentinien genug Qualität in der Tiefe, um jeden Gegner zu schlagen.

Für Wetter in Liechtenstein und dem DACH-Raum ist Argentinien bei der WM 2026 die naheliegendste Option als Titeltipp — aber ich empfehle, den Einsatz zu begrenzen und eher auf spezifische Szenarien wie „Finalist“ oder „weniger als 3 Gegentore in der Gruppenphase“ zu setzen, wo das Risiko-Ertrag-Verhältnis besser ist. Die Gruppenphase bietet zudem Möglichkeiten bei den Torwetten — Argentinien dürfte gegen Jordanien und Algerien jeweils mehr als zwei Tore erzielen.

Mein Urteil zur Albiceleste

Argentinien bei der WM 2026 ist das Team, das alle schlagen müssen. Die Kombination aus Titelverteidiger-Status, einem der tiefsten Kader des Turniers und einem Trainer, der bewiesen hat, dass er grosse Spiele gewinnen kann, macht die Albiceleste zur Messlatte. Die Messi-Frage ist spannend, aber nicht entscheidend — dieses Team hat genug Qualität, um auch ohne seinen Jahrhundertspieler in der Startelf zu bestehen. Die Generation Álvarez-Fernández-Mac Allister ist bereit, das Erbe der WM-2022-Helden anzutreten, und Scaloni hat den Übergang so gestaltet, dass die Qualität nicht leidet.

Ob die Titelverteidigung gelingt, hängt weniger von der Qualität als von der Tagesform in den entscheidenden K.-o.-Spielen ab. Und genau hier hat Argentinien einen Vorteil: Scalonis Mannschaft weiss, wie sich ein Finale anfühlt, wie man unter Druck die richtigen Entscheidungen trifft und wie man ein Elfmeterschiessen gewinnt. Das sind Erfahrungen, die man nicht trainieren kann — man muss sie gemacht haben. In einem Turnier, bei dem 48 Teams um den Titel kämpfen und die Unberechenbarkeit grösser ist als je zuvor, ist diese Erfahrung ein Vorteil, der in keiner Statistik auftaucht, aber in jedem engen Spiel den Unterschied machen kann.

In welcher Gruppe spielt Argentinien bei der WM 2026?

Argentinien spielt als Titelverteidiger in Gruppe J der WM 2026 zusammen mit Algerien, Österreich und Jordanien. Die Gruppe gilt als komfortabel für den Favoriten, wobei das Duell mit Österreich aus DACH-Sicht das Highlight ist.

Spielt Messi bei der WM 2026?

Lionel Messi wird voraussichtlich im Kader Argentiniens stehen, allerdings nicht mehr als Stammspieler über 90 Minuten. Mit 39 Jahren wird seine Rolle eher die eines Einwechselspielers und Mentors sein. Die endgültige Entscheidung trifft Trainer Lionel Scaloni kurz vor Turnierbeginn.

Wie hoch sind die Wettquoten für eine argentinische Titelverteidigung?

Die Titelquoten für Argentinien bei der WM 2026 liegen bei etwa 5.50, was einer implizierten Wahrscheinlichkeit von rund 18 Prozent entspricht. Damit ist Argentinien einer der ein bis zwei Topfavoriten des Turniers, zusammen mit Frankreich.

Erstellt von der Redaktion von „Lifootballwm“.